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26.09.2019 
 
Auf dem Weg nach oben: SOLDIER HOLLOW in der ITB 
Einen sehr schönen Bericht zum Erfolg unseres Champions SOLDIER HOLLOW gibt es in diesem Monat in der aktuellen Ausgabe der in Großbritannien verlegten International Thoroughbred zu lesen. Lesen Sie nachfolgend unsere deutsche Übersetzung des Artikels von Liz Price:


AUF DEM WEG NACH OBEN

Liz Price unterhält sich mit Besitzer und Züchter Helmut von Finck und Trainer Andre Fabre über den talentierten Soldier Hollow, der eine beständige Herkunftsquelle von qualitativ hochwertigen Mittelstrecken-Performern ist.

Helmut von Finck erwarb Soldier Hollow als Jährling beim Tattersalls October Sales im Jahr 2001 mit dem Ziel, ihn eines Tages im Deutschen Derby zu sehen. Der Hengst ging nach Köln zu Peter Schiergen ins Training, wo er siegreich debütierte und im darauffolgenden Jahr einen vielversprechenden Start in die klassische Saison hinlegte.

Bis dahin lief noch alles nach Plan und der Traum vom Derby von Seiten des Besitzers waren durchaus berechtigt. Doch beim nächsten Auftritt Soldier Hollows im Gr.2 Mehl-Mülhens-Rennen (German 2000 Guineas) in dem der Hengst als heißer Favorit an den Start ging, zeigte dieser als Vierter eine eher schwache Leistung. Das Ergebnis schien zu schlecht, um wahr sein zu können und wenig später fand man heraus, dass der Hengst an einer Colitis erkrankt war.

Der Traum vom Deutschen Derby war somit vorbei und der Hengst kämpfte jetzt um sein Leben. Eine Zeit des Bangens folgte, doch auch hier demonstrierte Soldier Hollow seinen charakteristischen Kampfgeist und erholte sich langsam aber sicher wieder.

Es dauerte fast ein Jahr bis von Finck den In The Wings-Sohn wieder auf der Rennbahn sehen sollte und als er schließlich als Vierjähriger wieder ins Renngeschehen eingriff, zeigte er, dass er nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt hatte.

Verständlicherweise wirkte er bei seinen ersten Starts noch etwas eingerostet, aber er fand bald wieder in die Siegerspur zurück. Und mit seinem Aufstieg auf Gr.1-Niveau im Premio Roma offenbarte er sich als der Champion, für den sein Besitzer ihn immer gehalten hatte.

In den nächsten drei Jahren gewann Soldier Hollow drei weitere Gr.1-Rennen. So wird er für immer als das letzte Pferd in Erinnerung bleiben, das Manduro besiegte, nachdem er das weltweit am höchsten eingestufte Rennpferd in einem der spannendsten Endkämpfe des Prix Dollar (Gr.2) in Longchamp 2007 mit einem Hals Vorteil schlagen konnte.

Von Finck, der sich vor mehr als 30 Jahren bei einem Renntag in seiner Heimatstadt München auf den Pferderennsport einließ, war zu Recht stolz auf sein kleines Pferd, das vielleicht nicht die Chance hatte, sich im deutschen Derby zu beweisen, aber vor Mut und Kraft zu platzen schien und offensichtlich das große Kämpferherz eines Löwen besaß.

Als er als Siebenjähriger den Großen Dallmayr Preis (Gr.1) gewann, wurde dennoch beschlossen, dass für Soldier Hollow die Zeit gekommen war, seine außerordentlich erfolgreiche Karriere zu beenden. So wurde er in den Ruhestand verabschiedet, um im Gestüt Röttgen seine Decktätigkeit aufzunehmen.

Wie viele Hengste hatte er einen eher unauffälligen Start, aber nachdem mit Pastorius ein Vertreter seines ersten Jahrgangs 2012 das Deutsche Derby gewinnen konnte, stieg seine Popularität stark an. Zum Zeitpunkt als ein weiterer seiner Nachkommen namens Weltstar im Jahr 2018 ebenfalls das Derby gewann, hatte Soldier Hollow bereits zwei Jahre lang die Spitze der deutschen Vaterpferde inne.

„Ich denke, jeder Besitzer möchte das Derby gewinnen“, sagt von Finck, der bekanntlich 2018 durch Destino (natürlich ein Sohn von Soldier Hollow) einem Sieg im Deutschen Derby quälend nahe gekommen war. Destino wurde von Weltstar nur um einen Hals geschlagen.

„Ich würde es trotzdem gerne gewinnen“, lacht er. „Aber in gewisser Weise habe ich das Derby bereits dank der Nachkommen Soldier Hollows gewonnen. Pastorius und Weltstar trugen natürlich nicht meine Farben, aber ich habe größere Freude daran, seinen Söhnen und Töchtern zuzusehen, wie sie auf der Rennbahn erfolgreich sind, als diese Rennen selbst zu gewinnen. Rennpferde zu züchten ist äußerst befriedigend und ich genieße es wirklich sehr“.

Von Finck, der im Jahr 2000 das im Herzen der Lüneburger Heide nahe der Derby-Stätte Hamburg liegende Gestüt Park Wiedingen kaufte, ist so etwas wie ein Pionier in der deutschen Vollblutzucht - er kaufte in Keeneland zwei Stuten der Northern Dancer-Blutlinie und brachte diese zurück nach Deutschland.

„Ich hatte großes Glück mit den Stutenlinien, die ich erwarb“, gibt der überaus interessante Besitzer zu, der schon immer Spaß daran hatte, Dinge anders zu machen als alle anderen.
„Ich hatte schon zuvor Pferde in Frankreich und England sowie in Baden-Baden gekauft, aber der Erwerb dieser Stuten war die eigentliche Geburt meines Zuchtbetriebes. Ich habe mich einfach in diese beiden Stuten verliebt, nicht nur weil sie Füchse waren, die ich besonders mag, sondern auch weil sie von Northern Dancer stammten“.

„Es war Liebe auf den ersten Blick und Diana Dance, die auf der Rennbahn brillant war, starb leider schon früh im Gestüt, während Fabula Dancer kein erfolgreiches Rennpferd war, aber dafür Flamingo Road brachte, die den Preis der Diana (Gr.2) gewann und in drei Gr.1-Rennen platziert lief“.

„Und dennoch hatte ich wieder Glück, denn das zweite Fohlen von Diana Dance war ein Stutfohlen namens Diana's Quest, das ich behalten habe. Diese brachte Divya hervor, die Mutter von Destino und Dschingis Secret, der im Prix de l'Arc de Triomphe unglücklicher Sechster zu Enable war und nun in Frankreich deckt“.


ERFOLG in der Welt des Galopprennsports und der Vollblutzucht ist selten unmittelbar, aber im Laufe der Jahre hat Helmut von Finck gelernt, dass Geduld und Ausdauer viel bewirken können.

So war er zu Anfang etwas entmutigt, als Soldier Hollow, dessen Decktaxe zu Beginn seiner Tätigkeit im Gestüt Röttgen, dem Zuhause des Prix de l'Arc de Triomphe-Siegers des Jahres 1975 Star Appeal, gerade einmal 3.000 Euro betrug und er von deutschen und internationalen Züchtern nicht mit größerer Begeisterung angenommen wurde.

Nach einem ersten Ansturm war sein Buch in den kommenden beiden Jahren weitaus weniger gefüllt und es brauchte die Ankunft von Pastorius und den Umzug ins Gestüt Auenquelle, das am Fuße des Nordrhein-Westfälischen Wiehengebirges liegt, um ihn auf den Weg zu bringen, der ihn zum führenden Vererber Deutschlands machen sollte.

„Ich habe Soldier Hollow vor 20 Jahren für 75.000 Guineas gekauft“, erinnert sich von Finck, der den dritten Platz des Hengstes in der Arlington Million (Gr.1) als eine der unvergesslichsten Erfahrungen in seinem Leben als Besitzer betrachtet.

„Es gab zwei Pferde, die mich interessierten, eines war ziemlich groß und das andere war auf der kleineren Seite - am Ende ging ich glücklicherweise mit dem kleinerem. Genau wie die Stuten, die ich gekauft habe, nahm er sich im Gestüt etwas Zeit, um loszulegen. Es ist auch typisch deutsch, ein wenig zurückhaltend zu sein, also, während er in seiner ersten Saison viele Stuten zu decken hatte, warteten die Züchter dann darauf, zu sehen, was er hervorbringen würde, bevor sie weitere Stuten zu ihm schickten“.

„Dazwischen hatten wir in den Jahren 2007 und 2008 auch die Finanzkrise, also ja, man kann durchaus sagen, dass er in dieser Zeit ein wenig Probleme hatte. Aber durch Pastorius wurde er sehr beliebt, zumal er regelmäßig Gruppe-Sieger hervorbrachte, obgleich er kein volles Buch hatte“.

Letztes Jahr deckte Soldier Hollow für eine Decktaxe von 30.000 Euro, aber in dieser Saison wurde diese als „privat“ gelistet. Er deckt zwischen 70 und 100 Stuten, die ihn nun aus Deutschland und von weiter her besuchen.

Einer der größten Unterstützer von Soldier Hollow ist der französische Trainer André Fabre, der kürzlich die dreijährige Pelligrina sattelte, die für S.H. Sheikh Mohammed Bin Khalifa Al Thani den Prix de Royaumont (Gr.3) gewann.

Sagt Fabre: „Soldier Hollow ist ein Sohn von In The Wings, der für mich eines der besten Pferde war, das ich je trainiert habe, und wie sein Vater hatte Soldier Hollow einen unglaublich starken Antritt. Er ist ein guter Hengst, einer der führenden Vererber Europas. Ich habe meinen Besitzern Soldier Hollow empfohlen und werde ihn immer unterstützen, indem ich ihm eine Stute schicke. Er hat viel Klasse. Er ist nicht sehr groß, also genau das, was man möchte“.


PELLIGRINA, die eine Tochter der Monsun-Stute Pearls Or Passion ist, ist derzeit bei zwei Starts ungeschlagen und ihr Betreuer fügt hinzu: „Sie hatte einen kleinen Unfall und wurde am Knie operiert. Aber es geht ihr gut und sie trainiert wieder. Wir warten auf den Herbst und die großen Rennen, die dann kommen. Ich habe sie im Prix de Royallieu (Gr.2) genannt und sie wird auch als Vierjährige im Training bleiben, da sie sehr gut ist“.

Und, seinem Wort treu bleibend, kaufte Fabre bei der diesjährigen BBAG-Herbstauktion ein im Gestüt Görlsdorf gezogenes Stutfohlen von Soldier Hollow aus der Lando-Stute Azalee.

Heute hat sich Soldier Hollow als einer der wichtigsten aus Deutschland kommenden Vererber etabliert. Seine Nachkommen haben klassische Rennen gewonnen und sein Besitzer vermerkt abschließend: „Soldier Hollow ist ein Pferd, wie man es nur einmal im Leben hat. Er ist eine echte Erfolgsgeschichte, weil er sowohl auf der Rennbahn als auch im Gestüt sehr erfolgreich war und ist“.

„Ich bin nur ein kleiner Züchter und seit 20 Jahren schenkt er mir so viel Freude. Seine Nachkommen erben alle diesen unglaublichen Kampfgeist, sein fabelhaftes Temperament. Sie geben immer ihr bestes und sind fast immer im Endkampf zu sehen. Und sie siegen auf jeder Distanz. Soldier Hollow produziert sowohl Meiler als auch Steher. Er ist ein sehr vielseitiger Hengst und ich hoffe, dass er auch in diesem Jahr wieder der führende Vererber Deutschlands sein wird“.

Von Finck hat vielleicht seine Farben noch nicht im Deutschen Derby siegen gesehen, aber er setzte an jenem Herbstmorgen in Newmarket definitiv auf einen Sieger, als er sich entschied, „das kleine Pferd mit dem großen Kampfgeist“ zu kaufen.
 
 
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